Stadt und Geschichte in Düsseldorf

Kögraben, Königsallee Düsseldorf
Düsseldorf ist von mit Sehenswürdigkeiten. Düsseldorf erleben kann man auch, wenn man sich auf das Düsseldorfer Brauchtum einlässt Foto: Dagobert Wiedamann

Düsseldorf trägt seine Geschichte nicht in einem einzigen historischen Zentrum zusammen. Mittelalterliche Gassen, barocke Residenzspuren, Gründerzeitviertel, Industrieflächen, Nachkriegsarchitektur und moderne Stadtumbauten liegen dicht nebeneinander. Wer genauer hinsieht, erkennt eine Stadt, die politische Bedeutung mehrfach gewann und verlor, durch Kriege und Brände verändert wurde und sich wirtschaftlich immer wieder neu erfand. Vom Dusseldorp an der Düsselmündung über die kurfürstliche Residenz und die Industriestadt bis zur Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens führt eine Geschichte voller Brüche. Sie erklärt, warum Altstadt, Carlstadt, Landtag, Rheinufer und MedienHafen heute so unterschiedlich wirken.

Kurzfakten zum Thema

  • Düsseldorf erhielt 1288 nach der Schlacht von Worringen die Stadtrechte.
  • Seit 1380 gewann die Stadt als Residenz der Herzöge von Berg politische Bedeutung.
  • Unter Jan Wellem wurde Düsseldorf um 1700 zu einem europäischen Kunst- und Kulturort.
  • Die Industrialisierung ließ Bevölkerung, Stadtfläche und Wirtschaftsleistung im 19. Jahrhundert stark wachsen.
  • Nationalsozialistische Verfolgung und der Zweite Weltkrieg bilden den schwersten Bruch der neueren Stadtgeschichte.
  • Seit 1946 ist Düsseldorf Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen.
  • Rheinufertunnel, Promenade und MedienHafen stehen für den jüngeren Stadtumbau.

Düsseldorfs Geschichte lässt sich bis heute im Stadtbild ablesen. Die Altstadt erinnert an den kleinen mittelalterlichen Siedlungskern an der Mündung der Düssel. Schloss Benrath und das Reiterdenkmal Jan Wellems stehen für die Zeit als Residenz. Gründerzeitviertel, Industrieareale und ehemalige Arbeiterquartiere erzählen vom schnellen Wachstum im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der Landtag, das Dreischeibenhaus und das Schauspielhaus verweisen auf den politischen und architektonischen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Rheinuferpromenade und MedienHafen zeigen schließlich, wie sich Düsseldorf seit den 1980er-Jahren erneut umgebaut hat.

Aus einem kleinen Ort am Rhein entstand über Jahrhunderte eine große Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturstadt. Diese Entwicklung war keineswegs geradlinig. Düsseldorf gewann politische Bedeutung und verlor sie wieder, wurde belagert, beschossen und besetzt, erlebte wirtschaftliche Aufstiege, gesellschaftliche Umbrüche und schwere Zerstörungen. Die heutige Landeshauptstadt ist deshalb nicht nur das Ergebnis von Wachstum, sondern auch von historischen Brüchen, politischen Entscheidungen und mehrfachen Neuanfängen.

Vom Dusseldorp zur mittelalterlichen Stadt

Der Name Düsseldorf geht auf die Düssel zurück, die im Bergischen Land entspringt und im Stadtgebiet in den Rhein mündet. An einem ihrer Mündungsarme entstand eine kleine Siedlung, die als Dusseldorp bezeichnet wurde. Das Wort „Dorp“ bedeutete Dorf.

Die Lage am Rhein war für die Entwicklung entscheidend. Der Fluss war Verkehrsweg, Nahrungsquelle und Handelsroute. Zugleich bedrohten Hochwasser und Eisgang die Siedlung. Fischer, Bauern, Handwerker und Händler lebten in unmittelbarer Nähe zum Wasser.

Am 14. August 1288 erhob Graf Adolf V. von Berg Düsseldorf zur Stadt. Vorausgegangen war die Schlacht von Worringen, aus der der Graf und seine Verbündeten als Sieger hervorgegangen waren. Mit dem Stadtrecht erhielt Düsseldorf unter anderem Marktprivilegien und die Möglichkeit, sich stärker zu befestigen und eine eigene städtische Ordnung aufzubauen. Der damalige Ort war allerdings noch sehr klein. Sein Zentrum lag rund um die heutige Basilika St. Lambertus, den Burgplatz und die Liefergasse.

Von der mittelalterlichen Stadt ist nur wenig vollständig erhalten. Dennoch lässt sich ihre Struktur in Teilen der Altstadt nachvollziehen. Enge Gassen, kurze Straßen und unregelmäßige Grundstücke unterscheiden sich deutlich von später geplanten Vierteln wie der Carlstadt.

Düsseldorf wird Residenz

Der Aufstieg Düsseldorfs war eng mit den Grafen und späteren Herzögen von Berg verbunden. Im Jahr 1380 wurde die Grafschaft Berg zum Herzogtum erhoben. Düsseldorf entwickelte sich nun stärker zum politischen Mittelpunkt des Territoriums.

Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt Haupt- und Residenzort der vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg. Der Hof brachte Beamte, Handwerker, Künstler, Soldaten und Händler in die Stadt. Das Schloss am Rhein wurde ausgebaut, Befestigungsanlagen wurden erweitert und neue öffentliche Gebäude entstanden.

Vom früheren Düsseldorfer Schloss ist heute nur noch der Schlossturm am Burgplatz erhalten. Das Gebäude wurde über Jahrhunderte mehrfach umgebaut, beschädigt und durch Brände zerstört. Der Turm beherbergt heute das SchifffahrtMuseum und erinnert an die Zeit, als Düsseldorf nicht nur Handelsstadt, sondern Sitz eines fürstlichen Hofes war.

Auch das historische Rathaus am Marktplatz stammt aus der Residenzzeit. Gemeinsam mit St. Lambertus, dem Burgplatz und den angrenzenden Altstadtstraßen bildet es bis heute den historischen Kern Düsseldorfs.

Jan Wellem und die kulturelle Blüte

Eine der prägendsten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte war Johann Wilhelm II., der in Düsseldorf meist Jan Wellem genannt wird. Er wurde 1658 im Düsseldorfer Schloss geboren und übernahm 1679 die Herrschaft in Jülich und Berg. Ab 1690 war er außerdem Kurfürst von der Pfalz.

Unter Jan Wellem entwickelte sich Düsseldorf zu einem bedeutenden europäischen Residenz- und Kulturort. Der Kurfürst förderte Malerei, Musik, Theater, Kunsthandwerk und Architektur. Künstler, Musiker und Gelehrte kamen an den Hof. Ein Opernhaus wurde errichtet, und die kurfürstliche Gemäldesammlung erlangte internationalen Rang.

Jan Wellems Ehefrau Anna Maria Luisa de’ Medici stammte aus der Florentiner Herrscherfamilie der Medici. Sie unterstützte das kulturelle Leben am Hof und brachte zusätzliche europäische Verbindungen nach Düsseldorf.

Das Reiterstandbild Jan Wellems vor dem Rathaus erinnert bis heute an diese Zeit. Es wurde vom Bildhauer Gabriel de Grupello geschaffen und zeigt den Kurfürsten als selbstbewussten Herrscher. Das Denkmal war nicht nur Schmuck, sondern auch ein politisches Zeichen für Macht und fürstliche Selbstdarstellung.

Der kulturelle Ruf Düsseldorfs wurde durch diese Epoche dauerhaft geprägt. Die spätere Entwicklung zur Kunststadt, die Kunstakademie und Düsseldorfs Kunstlandschaft und die großen Sammlungen knüpften an eine Tradition an, deren wichtige Grundlagen in der Residenzzeit gelegt wurden.

Der Verlust der Residenz und die Erweiterung der Stadt

Nach dem Tod Jan Wellems im Jahr 1716 verlor Düsseldorf einen Teil seiner politischen Bedeutung. Der Hof verlagerte sich, und die Stadt musste wirtschaftlich neue Wege finden. Gerade diese Abhängigkeit von der Residenz hatte gezeigt, wie stark das städtische Leben von der Anwesenheit des Hofes geprägt gewesen war.

Im 18. Jahrhundert wurde die Stadt dennoch erweitert. Südlich der mittelalterlichen Altstadt entstand die Carlstadt. Sie wurde planmäßiger angelegt als der alte Stadtkern. Gerade Straßen, größere Grundstücke und geschlossene Häuserzeilen prägten das neue Viertel. Der heutige Carlsplatz wurde zu einem wichtigen Handels- und Marktort.

Die Erweiterung war auch eine Reaktion auf die Enge innerhalb der alten Befestigungen. Nachdem Düsseldorf seine Residenzfunktion weitgehend verloren hatte, sollte die neue Carlstadt wirtschaftliche Impulse schaffen und neue Bewohner sowie Betriebe anziehen.

Bis heute lässt sich der Unterschied zwischen den Stadtteilen erkennen. Die Altstadt besitzt eine mittelalterlich gewachsene, enge Struktur. Die Carlstadt wirkt geordneter, ruhiger und stärker vom Barock und Klassizismus geprägt.

Französische Herrschaft und preußische Neuordnung

Die Französische Revolution und die folgenden Kriege führten zu einem weiteren tiefen Einschnitt. Französische Truppen besetzten Düsseldorf. Bei militärischen Auseinandersetzungen wurden Teile der Stadt, des Schlosses und der Befestigungsanlagen beschädigt.

Von 1806 bis 1813 war Düsseldorf Hauptstadt des napoleonischen Großherzogtums Berg. In dieser Zeit wurden Verwaltung, Justiz und gesellschaftliche Strukturen nach französischem Vorbild reformiert. Die alten Festungsanlagen verloren ihre militärische Funktion und wurden weitgehend beseitigt.

Die Entfestigung war für die spätere Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Düsseldorf konnte sich nun über den mittelalterlichen Kern hinaus ausdehnen. Auf Teilen der früheren Befestigungsflächen entstanden Straßen, Grünanlagen und neue Stadtviertel. Auch die Entwicklung des Hofgartens und der Bereich der späteren Königsallee sind mit diesem Umbau verbunden.

Nach dem Wiener Kongress fiel Düsseldorf 1815 an Preußen. Die Stadt war nun keine fürstliche Residenz mehr, gewann aber Bedeutung als Verwaltungs-, Gerichts- und Behördenstandort. Diese Rolle bereitete langfristig den späteren Aufstieg zur Landeshauptstadt vor.

Kunstakademie und bürgerliche Stadt

Unter preußischer Herrschaft entwickelte sich Düsseldorf im 19. Jahrhundert zu einer bürgerlichen Verwaltungs- und Kunststadt. Die Kunstakademie gewann internationalen Ruf. Die sogenannte Düsseldorfer Malerschule zog Künstler aus vielen europäischen Ländern und aus Nordamerika an.

Die Kunst wurde zu einem wichtigen Teil der städtischen Identität. Sammler, Galeristen, Vereine und wohlhabende Bürger unterstützten Ausstellungen und künstlerische Projekte. Düsseldorf lebte nun nicht mehr allein vom Hof, sondern zunehmend von Verwaltung, Handel, Bildung und einem selbstbewussten Bürgertum.

Auch bekannte Persönlichkeiten wie Heinrich Heine und Robert Schumann sind mit dieser Epoche verbunden. Heine wurde 1797 in der Bolkerstraße geboren. Robert und Clara Schumann lebten ab 1850 in Düsseldorf, als Robert Schumann das Amt des städtischen Musikdirektors übernahm.

Die Stadt begann zugleich, repräsentative Straßen und Gebäude zu entwickeln. Die Königsallee entstand entlang eines früheren Festungsgrabens. Ihre Bäume, Brücken und der Stadtgraben wurden zum sichtbaren Zeichen des wohlhabender werdenden Düsseldorf.

Industrialisierung und Großstadtwachstum

Mit der Industrialisierung änderte sich Düsseldorf grundlegend. Die Lage am Rhein, der Ausbau der Eisenbahn und die Nähe zum Ruhrgebiet begünstigten die Ansiedlung von Industrieunternehmen. Maschinenbau, Stahlverarbeitung, Röhrenproduktion, Chemie, Glas und weitere Branchen gewannen an Bedeutung. Das Stadtarchiv verzeichnet für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts unter anderem die Verlagerung der Poensgen-Werke nach Düsseldorf und die Anfänge einer bedeutenden Röhrenindustrie.

Die Einwohnerzahl wuchs schnell. Neue Wohnquartiere entstanden in Bilk, Flingern, Oberbilk, Derendorf, Pempelfort und anderen Bereichen. Mietshäuser, Fabriken, Bahnanlagen und Arbeiterwohnungen veränderten die Stadt.

Düsseldorf wurde zu einem wichtigen Sitz von Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Verwaltungen. Aus dieser Funktion entstand später die Bezeichnung „Schreibtisch des Ruhrgebiets“. Während ein Teil der Produktion in Düsseldorf und den Nachbarstädten stattfand, ließen sich gleichzeitig Unternehmensleitungen, Banken, Verbände und Dienstleister in der Stadt nieder.

Das Wachstum machte Eingemeindungen erforderlich. In den Jahren 1908 und 1909 wurden unter anderem Stockum, Rath, Gerresheim, Ludenberg, Eller, Himmelgeist und Heerdt eingegliedert. Das Stadtgebiet wuchs dadurch auf mehr als das Doppelte seiner bisherigen Fläche.

Viele dieser Orte hatten zuvor eine eigene Geschichte und Identität. Das ist bis heute sichtbar. Gerresheim, Kaiserswerth, Benrath und andere Stadtteile besitzen historische Zentren, die sich deutlich vom innerstädtischen Düsseldorf unterscheiden.

Architektur einer modernen Wirtschaftsmetropole

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte Düsseldorf seinen wirtschaftlichen Aufstieg auch architektonisch zeigen. Bedeutende Geschäftshäuser, Verwaltungsbauten und Ausstellungsanlagen entstanden.

Das frühere Kaufhaus Tietz, heute als Kaufhof an der Königsallee bekannt, wurde von Joseph Maria Olbrich entworfen. Das Mannesmann-Haus von Peter Behrens prägte die Rheinfront. Mit dem Wilhelm-Marx-Haus entstand in den 1920er-Jahren eines der frühen Hochhäuser Deutschlands.

Große Ausstellungen sollten Düsseldorf als moderne Industrie-, Gesundheits- und Kulturstadt präsentieren. Die GeSoLei von 1926, die Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, hinterließ mit dem Ehrenhof und der heutigen Tonhalle ein bis heute bedeutendes städtebauliches Ensemble.

Diese Architektur stand für Fortschritt und Modernisierung. Zugleich lebten viele Arbeiterfamilien in beengten Wohnungen, und die sozialen Unterschiede innerhalb der wachsenden Stadt blieben erheblich.

Nationalsozialismus, Verfolgung und politische Gewalt

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bedeutete das Ende der kommunalen Demokratie. Politische Gegner wurden verfolgt, Parteien und Gewerkschaften verboten und die Stadtverwaltung gleichgeschaltet.

Besonders schwer traf die nationalsozialistische Verfolgung die jüdische Bevölkerung. Jüdische Düsseldorfer wurden entrechtet, aus Schulen und Berufen verdrängt, beraubt und später deportiert. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge an der Kasernenstraße zerstört. Geschäfte, Wohnungen und Einrichtungen jüdischer Bürger wurden überfallen.

Auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Zwangsarbeiter, politische Widerstandskämpfer und weitere Gruppen waren Verfolgung und Gewalt ausgesetzt. Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Stolpersteine und verschiedene Erinnerungsorte dokumentieren heute diese Geschichte.

Die nationalsozialistische Zeit ist ein zentraler historischer Bruch. Sie darf nicht nur als Vorgeschichte des Krieges betrachtet werden. Die Verfolgung begann im Alltag der Stadt: in Behörden, Schulen, Betrieben, Vereinen und Nachbarschaften.

Bombenkrieg und Zerstörung

Als bedeutender Industrie-, Verkehrs- und Verwaltungsstandort wurde Düsseldorf während des Zweiten Weltkriegs wiederholt bombardiert. Große Teile der Innenstadt, Wohnviertel, Industrieanlagen und Verkehrswege wurden zerstört.

Die Angriffe kosteten viele Menschen das Leben und machten Zehntausende obdachlos. Historische Gebäude, Kirchen, Geschäftshäuser und ganze Straßenzüge gingen verloren. Das Stadtbild, das über Jahrhunderte entstanden war, wurde tiefgreifend beschädigt.

Kurz vor Kriegsende versuchte eine Düsseldorfer Widerstandsgruppe, die Stadt ohne weitere Kämpfe an die amerikanischen Truppen zu übergeben. Mitglieder der „Aktion Rheinland“ wollten eine sinnlose Verteidigung verhindern. Mehrere Beteiligte wurden noch im April 1945 hingerichtet.

Die Zerstörung des Krieges und die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft bilden die entscheidende Zäsur der neueren Düsseldorfer Geschichte.

Wiederaufbau und autogerechte Stadt

Nach 1945 stand Düsseldorf vor einem umfassenden Wiederaufbau. Wohnungen, Straßen, Brücken, Verwaltungsgebäude und Versorgungseinrichtungen mussten schnell wiederhergestellt werden.

Dabei wurde die Stadt nicht einfach nach historischem Vorbild rekonstruiert. Viele Planer sahen in den Zerstörungen auch die Möglichkeit, Düsseldorf grundlegend neu zu ordnen. Breite Verkehrsachsen, getrennte Nutzungsbereiche und eine stärkere Ausrichtung auf das Auto bestimmten große Teile der Planung.

Der 1949 veröffentlichte Leitplan für den Wiederaufbau beeinflusste die Entwicklung der folgenden Jahre. Historische Straßenzüge wurden teilweise verändert, Grundstücke neu geordnet und beschädigte Gebäude durch moderne Neubauten ersetzt.

Die Berliner Allee wurde zur wichtigen Nord-Süd-Achse. Das Dreischeibenhaus, das Düsseldorfer Schauspielhaus und weitere Bauten stehen für eine selbstbewusste Nachkriegsmoderne. Diese Architektur wird heute differenzierter beurteilt als noch vor einigen Jahrzehnten. Gebäude, die lange als nüchtern oder unpersönlich galten, werden inzwischen verstärkt als historische Zeugnisse des Wiederaufbaus geschützt.

Der Wiederaufbau brachte dringend benötigte Wohnungen und Infrastruktur. Gleichzeitig gingen weitere historische Strukturen verloren, die den Krieg teilweise überstanden hatten. Düsseldorf wurde dadurch zu einer Stadt, in der Rekonstruktion, Nachkriegsmoderne und verbliebene Altbauten unmittelbar nebeneinanderstehen.

Düsseldorf wird Landeshauptstadt

Im Juli 1946 bestimmte die britische Militärregierung Düsseldorf zur Hauptstadt des neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen. Der erste Landtag bestand zunächst aus ernannten Abgeordneten.

Die Entscheidung war keineswegs selbstverständlich. Düsseldorf war zwar stark zerstört, aber weniger verwüstet als manche Städte im Ruhrgebiet oder Köln. Zudem war es bereits ein wichtiger Verwaltungsstandort und Sitz der britischen Militärregierung.

Die Hauptstadtfunktion veränderte Düsseldorf dauerhaft. Ministerien, Landesbehörden, Verbände, Medien und Interessenvertretungen siedelten sich an. Politik und Verwaltung wurden zu bedeutenden Bestandteilen der Wirtschaft und des städtischen Lebens.

Lange verfügte der Landtag jedoch über kein eigens für ihn errichtetes Parlamentsgebäude. Erst in den 1980er-Jahren entstand der neue Landtag direkt am Rhein. Seine kreisförmige Architektur sollte Offenheit und demokratischen Austausch ausdrücken. Der Bau war zugleich ein sichtbares Bekenntnis zur Rolle Düsseldorfs als dauerhafte Landeshauptstadt.

Politik zwischen Rathaus, Landtag und Öffentlichkeit

Düsseldorf ist heute gleichzeitig kommunales Zentrum und Sitz der Landespolitik. Im Rathaus entscheiden Rat und Verwaltung über Stadtentwicklung, Verkehr, Schulen, Wohnen, Kultur und soziale Infrastruktur. Im Landtag und in den Ministerien werden politische Entscheidungen für ganz Nordrhein-Westfalen getroffen.

Diese doppelte Rolle prägt die Stadt. Demonstrationen, Parteitage, Verbandsveranstaltungen und politische Gespräche gehören ebenso zum Alltag wie Ministerien, Landesbehörden und Medienbüros.

Politische Geschichte wird in Düsseldorf aber nicht nur in den Institutionen geschrieben. Arbeiterbewegung, Frauenbewegung, Umweltinitiativen, Friedensproteste, migrantische Organisationen und soziale Bewegungen haben die Stadt mitgeprägt. Bürgerinitiativen mischten sich in Verkehrsplanung, Stadtsanierung und den Erhalt historischer Gebäude ein.

Die Entwicklung Düsseldorfs war deshalb nie allein das Werk von Fürsten, Oberbürgermeistern oder Architekten. Sie entstand auch aus gesellschaftlichen Konflikten und aus der Frage, wem öffentlicher Raum, Wohnraum und politische Teilhabe zustehen.

Die Rückkehr der Stadt an den Rhein

Der Rhein hatte Düsseldorf über Jahrhunderte geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt jedoch durch eine stark befahrene Straße zunehmend vom Fluss getrennt.

Mit dem Rheinufertunnel vollzog die Stadt einen ihrer wichtigsten neueren Stadtumbauten. Der Straßenverkehr wurde unter die Erde verlegt, auf der Oberfläche entstand die Rheinuferpromenade. Der Tunnel wurde 1993 eröffnet und ermöglichte es, Altstadt und Rhein wieder unmittelbar miteinander zu verbinden.

Die Promenade wurde zu einem der wichtigsten öffentlichen Räume Düsseldorfs. Burgplatz, Freitreppe, Kasematten und die Wege am Rhein werden von Bewohnern und Besuchern genutzt. Der Umbau zeigt, wie eine technische Infrastrukturmaßnahme das Verhältnis einer Stadt zu ihrem Fluss grundlegend verändern kann.

Der Rhein ist dabei mehr als eine schöne Kulisse. Er war und ist Verkehrsweg, Wirtschaftsraum, Hochwasserrisiko, Naturraum und Grenze innerhalb der Stadt. Brücken verbinden die links- und rechtsrheinischen Viertel. Hafenanlagen, Industrie und Freizeitflächen liegen teilweise dicht nebeneinander.

MedienHafen und Architektur des Strukturwandels

Südlich der Altstadt wurde ein Teil des früheren Hafens seit den 1980er- und 1990er-Jahren zu einem neuen Büro-, Medien- und Gastronomieviertel umgebaut. Alte Speicher, Hafenbecken und Kaimauern blieben teilweise erhalten, während moderne Gebäude hinzukamen.

Besonders bekannt sind die Gehry-Bauten des Neuen Zollhofs. Gemeinsam mit Rheinturm, Landtag, Stadttor und weiteren Gebäuden prägen sie die moderne Silhouette am südlichen Rheinufer. Der MedienHafen entwickelte sich zu einem wichtigen Bürostandort und zugleich zu einem Ziel für Architekturinteressierte.

Der Umbau steht exemplarisch für den Wandel von Industrie- und Verkehrsflächen zu Dienstleistungs- und Freizeitquartieren. Dabei blieb der Düsseldorfer Hafen in anderen Bereichen weiterhin ein Arbeits- und Warenumschlagsort. Der MedienHafen ist daher kein vollständig stillgelegter Hafen, sondern ein neu genutzter Teil eines größeren Wirtschaftsraums.

Historische Brüche im heutigen Stadtbild

Düsseldorf wirkt an vielen Stellen wie eine Stadt aus verschiedenen Zeitschichten. Mittelalterliche Straßengrundrisse treffen auf barocke Kirchen, Gründerzeitfassaden, Nachkriegsbauten und moderne Architektur.

Diese Mischung entstand nicht nur durch harmonisches Wachstum. Kriege, Brände, politische Machtwechsel, Abrisse und Verkehrsplanungen haben immer wieder Lücken und neue Strukturen geschaffen.

Der Schlossturm steht allein, weil das übrige Schloss verloren ging. Die breite Berliner Allee verweist auf die autogerechte Planung der Nachkriegszeit. Die Rheinuferpromenade entstand erst, nachdem eine große Straße unter die Erde verlegt worden war. Im MedienHafen stehen denkmalgeschützte Speicher neben auffälligen Neubauten.

Auch Straßennamen, Denkmäler und Gedenkorte sind Teil politischer Auseinandersetzungen. Die Stadt überprüft, an wen im öffentlichen Raum erinnert wird und welche historischen Zusammenhänge erklärt werden müssen. Geschichte ist deshalb nicht abgeschlossen. Sie wird immer wieder neu erforscht, bewertet und öffentlich diskutiert.

Düsseldorf als gewachsene Landeshauptstadt

Die heutige Stadt lässt sich nicht auf eine einzelne historische Rolle reduzieren. Düsseldorf war Dorf, bergische Residenz, napoleonische Hauptstadt, preußischer Verwaltungssitz, Industrie- und Messestadt und schließlich Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens.

Jede dieser Epochen hat Spuren hinterlassen. Die Altstadt erinnert an den frühen Siedlungskern und die Residenz. Die Carlstadt steht für planmäßige Erweiterung. Gründerzeitviertel und Industrieflächen dokumentieren die Entstehung der Großstadt. Die Nachkriegsarchitektur erzählt vom Wiederaufbau und vom Glauben an moderne Stadtplanung. Landtag und Ministerien machen die politische Funktion sichtbar. Rheinuferpromenade und MedienHafen stehen für den jüngeren Stadtumbau.

Wer Düsseldorf verstehen möchte, sollte daher nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs betrachten. Straßenverläufe, Plätze, Brücken, Wohnviertel, Industrieareale und öffentliche Gebäude erzählen gemeinsam von der Entwicklung der Stadt.

Düsseldorf ist das Ergebnis von Kontinuität und Veränderung. Der Rhein blieb über Jahrhunderte die wichtigste natürliche Bezugslinie. Politische Herrschaft, wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Konflikte veränderten dagegen immer wieder das Gesicht der Stadt. Gerade diese Verbindung aus erhaltenen Spuren, verlorenen Orten und neuen Entwürfen macht Düsseldorfs Stadtgeschichte bis heute sichtbar.

Vertiefende historische Daten, Dokumente und eine ausführliche Zeitleiste stellt das Stadtarchiv der Landeshauptstadt Düsseldorf bereit.

Häufige Fragen zur Geschichte Düsseldorfs

Wann wurde Düsseldorf gegründet?

Eine Siedlung an der Düsselmündung bestand bereits vorher. Die Stadtrechte erhielt Düsseldorf am 14. August 1288 nach der Schlacht von Worringen.

Warum heißt die Stadt Düsseldorf?

Der Name geht auf die Düssel zurück. An einem Mündungsarm des Flusses entstand das historische „Dusseldorp“, also das Dorf an der Düssel.

Wann war Düsseldorf Residenzstadt?

Seit dem späten Mittelalter war Düsseldorf eng mit den Grafen und Herzögen von Berg verbunden. Im 16. und besonders im späten 17. Jahrhundert prägte der fürstliche Hof die Stadt.

Welche Bedeutung hatte Jan Wellem für Düsseldorf?

Kurfürst Johann Wilhelm II., in Düsseldorf Jan Wellem genannt, förderte Kunst, Musik, Theater und Architektur. Unter ihm erlangte die kurfürstliche Gemäldesammlung internationalen Rang.

Warum wurde Düsseldorf Landeshauptstadt?

Die britische Militärregierung bestimmte Düsseldorf 1946 zur Hauptstadt des neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen. Ausschlaggebend waren unter anderem die bestehende Verwaltungsfunktion und die Lage im neuen Bundesland.

Wie stark wurde Düsseldorf im Zweiten Weltkrieg zerstört?

Luftangriffe zerstörten große Teile der Innenstadt, Wohnviertel, Industrieanlagen und Verkehrswege. Der Wiederaufbau veränderte das Stadtbild zusätzlich durch neue Verkehrsachsen und moderne Architektur.

Was hat der Rheinufertunnel mit Stadtgeschichte zu tun?

Die Verlegung des Autoverkehrs unter die Erde machte Anfang der 1990er-Jahre die Rheinuferpromenade möglich. Dadurch erhielt die Innenstadt wieder einen direkten öffentlichen Zugang zum Rhein.

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