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Lierenfeld: Industriegeschichte im Wandel

Lierenfeld verbindet im Düsseldorfer Südosten eine lange Gewerbe- und Industriegeschichte mit Wohnquartieren und umgenutzten Hallen. Der Stadtteil gehört seit 1384 zu Düsseldorf und liegt im Stadtbezirk 8. Wo früher Wald und einzelne Höfe das Bild bestimmten, prägen heute Arbeitsorte und die Erkrather Straße das Gebiet. Zugleich erzählt die Siedlung Heimgarten von der Wohnbaugeschichte nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Besuch lässt sich daher zwischen Architektur, Gewerbe und Kulturorten gestalten.

Heimgarten: Wohnsiedlung von 1919/20

Im Nordosten des Stadtteils liegt die Siedlung Heimgarten. Die Anlage entstand 1919/20. Ihre Häuser bilden ein zusammenhängendes Wohngebiet, das sich deutlich von den großmaßstäblichen Gewerbeflächen Lierenfelds unterscheidet. Die Sanierung hat die Siedlung als geschlossenes Ensemble weiterentwickelt. Ein Spaziergang durch die Wohnstraßen zeigt, wie sich die Architektur der damaligen Zeit in Haustypen, Fassaden und der Anordnung des Quartiers ausdrückt. Die Wohnformen ergänzen die Industriearchitektur um eine eigene historische Perspektive.

Zwei Geschosse hohe Hausgruppen aus Reihenhäusern und Vierfamilienhäusern sind mit Gärten angeordnet. Begrünte Straßenräume, aufgeweitete Platzbereiche und weitläufige Innenhöfe bilden zusammen ein durchdachtes Wohnumfeld. An der Erkrather Straße markiert ein viergeschossiges Torgebäude mit rundbogiger Form den Zugang zum geschlossenen Wohnhof; dort waren Läden für den täglichen Bedarf vorgesehen. Fassadengliederung, Türen und Schlagläden prägen das historische Erscheinungsbild. Diese Baumerkmale machen Heimgarten als Ensemble konkret lesbar.

Ronsdorfer Straße: ehemalige Fabriken als Kulturorte

An der Ronsdorfer Straße stehen große ehemalige Fabrikhallen, die heute für Veranstaltungen genutzt werden. Das Stahlwerk und Tor 3 bewahren den Maßstab der Industriearchitektur und bringen Konzert- und Veranstaltungsleben in das frühere Gewerbegebiet. Die Hallen stehen im Zusammenhang mit Lierenfelds industrieller Vergangenheit: Die Erkrather Straße bildet die industrielle Hauptverkehrsader des Stadtteils. Beim Weg zwischen Wohnquartier und den großen Hallen lässt sich der Wechsel von kleinteiliger Wohnbebauung zu Gewerbe besonders gut nachvollziehen. Die Nutzung der Hallen hält ältere Bausubstanz in einem neuen städtischen Alltag präsent.

Einordnung im Stadtbezirk 8

Das benachbarte Eller setzt mit Schlosspark, Gertrudisplatz und historischem Ortskern andere Akzente. In Vennhausen prägen Siedlungsbau und frühere Höfe das Bild. Lierenfeld ergänzt diese Orte um Industriegeschichte und eine markante Arbeitersiedlung. Alle gehören zum Stadtbezirk 8. Für eine längere Erkundung bietet sich deshalb ein Wechsel zwischen dem Wohnquartier Heimgarten, den ehemaligen Fabrikhallen und den historischen Mittelpunkten der Nachbarstadtteile an. Die drei unterschiedlichen Räume zeigen, wie Wohnungsbau und Gewerbe den Südosten Düsseldorfs geformt haben.

Gewerbe und Wohnen im selben Stadtteil

Das produzierende Gewerbe nimmt mehr Fläche als die Wohnbebauung ein. Die Erkrather Straße bildet die wichtigste Verkehrsader, entlang der sich die industrielle Prägung besonders deutlich zeigt. Zugleich entwickelten sich Initiativen, die den Stadtteil wohnlicher gestalten; Heimgarten ist ein konkretes Beispiel für ein geschlossenes Wohnquartier zwischen Gewerbegebieten. Diese Nachbarschaft erklärt, warum ein Rundgang in Lierenfeld schnell den Charakter wechselt: Auf Wohnstraßen folgt der Maßstab der Hallen, dann wieder ein ruhigerer Abschnitt innerhalb der Siedlung. Die Umnutzung an der Ronsdorfer Straße hält diesen Wandel im öffentlichen Kulturleben sichtbar.