Kö-Bogen und Kö-Bogen II in Düsseldorf
Kö-Bogen I und Kö-Bogen II markieren zwei aufeinanderfolgende Phasen der Düsseldorfer Innenstadtentwicklung. Der erste Bau von Daniel Libeskind entstand am früheren Jan-Wellem-Platz und setzt mit seiner geschwungenen Form, den Einschnitten und den schräg verlaufenden Fassaden einen eigenständigen Akzent am Hofgarten. Der zweite Baukörper von ingenhoven architects ordnet den Bereich südlich des Gustaf-Gründgens-Platzes neu: begrünte Fassaden, öffentliche Flächen und neue Blickbeziehungen verbinden ihn mit dem Park und den umliegenden Kultur- und Geschäftsstraßen.
Kö-Bogen I: ein neues Haus am Hofgarten
Ausgangspunkt war die Neuordnung des früheren Jan-Wellem-Platzes. Mit dem Bau der Wehrhahn-Linie verlor der Platz seine frühere Rolle als zentraler Verkehrsknoten. Die städtische Planung verband die neue U-Bahn-Verbindung mit der Verlagerung des Autoverkehrs von der Hochstraße Tausendfüßler in Tunnel. Dadurch konnte der Stadtraum zwischen Hofgarten, Königsallee und Innenstadt anders genutzt werden. Die Gebäude nach dem Entwurf von Daniel Libeskind wurden im Oktober 2013 eröffnet.
Die Architektur fällt durch diagonale Einschnitte und unterschiedlich geformte Fassadenflächen auf. Der Bau steht an einer Nahtstelle: Zur einen Seite liegen die offenen Wege des Hofgartens, zur anderen die Geschäftsbereiche der Innenstadt. Wer die Form des Gebäudes betrachtet, kann diese Lage als Teil der Gestaltung lesen. Wege um den Bau führen zwischen Parkrand, Straßen und Plätzen weiter, sodass Kö-Bogen I einen Übergang zwischen verschiedenen Innenstadtbereichen bildet.
Kö-Bogen II: begrünte Gebäude und Freiräume
Nach dem Abriss des Tausendfüßlers im Frühjahr 2013 wurde die Planung südlich des Gustaf-Gründgens-Platzes neu untersucht. 2014 wurde der Entwurf von ingenhoven architects als Grundlage der weiteren Neuordnung ausgewählt. Die Stadtplanung nennt als Ziele die Erweiterung des Hofgartens nach Süden und eine Tallandschaft, die Blickbeziehungen zum Gustaf-Gründgens-Platz freihält. In dem rund 2,15 Hektar großen Gebiet wurden drei Gebäudefelder für Einzelhandel, Gastronomie und Büros vorgesehen. Die Heckenbegrünung an den Gebäuden und die Gestaltung der Freiflächen prägen den zweiten Bauabschnitt.
Die beiden Projekte übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Stadtraum. Kö-Bogen I setzt ein prägnantes Gebäude an die Kante zum Hofgarten. Kö-Bogen II gestaltet ein größeres Areal mit Baukörpern, begrünten Flächen und Übergängen zum Park. Gemeinsam zeigen sie, wie der Rückbau einer Hochstraße und die Verlagerung des Verkehrs neue Bedingungen für Wege, Plätze und Gebäude im Zentrum geschaffen haben.
Architektur im Zusammenhang erleben
Ein Rundgang kann am Hofgarten beginnen und über den Gustaf-Gründgens-Platz zur Schadowstraße führen. So wird der Wechsel zwischen Parkraum, Kulturstandort und Geschäftsbereich sichtbar. Das Dreischeibenhaus ergänzt den Blick auf die Nachkriegsmoderne; seine schlanke Hochhausform unterscheidet sich deutlich von den beiden Kö-Bogen-Projekten. In Richtung Süden führt der Weg zur Königsallee, deren Kanal und Baumreihen eine weitere Form öffentlicher Stadträume zeigen.
Die beiden Bauabschnitte lassen sich am besten im Zusammenhang mit ihrer Umgebung verstehen: Libeskinds Bau steht zwischen Hofgarten und Innenstadt, während Kö-Bogen II die südliche Parkkante und die Freiräume zum Schauspielhaus einbezieht. Weitere Ziele im Zentrum und am Rhein bietet der Überblick über Düsseldorfs Sehenswürdigkeiten. Der Wechsel von Verkehrsfläche zu Fußwegen, Plätzen und Gebäuden erklärt, weshalb Kö-Bogen I und II zwar zusammengehören, aber unterschiedliche Aufgaben und Gestaltungsansätze haben.