Dreischeibenhaus Düsseldorf: Bau und Stadtraum
Das Dreischeibenhaus prägt den Gustaf-Gründgens-Platz mit einer schlanken Silhouette aus drei gegeneinander versetzten Gebäudescheiben. Die Glas-Stahl-Fassade und die schmale Grundform geben dem Hochhaus seine leichte Wirkung; die Staffelung lässt den Baukörper je nach Blickrichtung unterschiedlich erscheinen. Zwischen 1957 und 1960 errichtet, wurde das Gebäude zu einem weithin sichtbaren Zeichen der Düsseldorfer Nachkriegsmoderne.
Drei versetzte Scheiben statt eines geschlossenen Turms
Die drei schmalen Baukörper sind gegeneinander verschoben. Dadurch entstehen an den Übergängen Rücksprünge und eine bewegte Kontur, während die vertikalen Fassadenflächen den Gesamteindruck ordnen. Die Konstruktion aus Stahl und die großflächige Verglasung betonen den modernen Charakter. Tageslicht und Spiegelungen verändern den Eindruck der Fassaden im Lauf des Tages; die drei Scheiben bleiben durch ihre versetzte Stellung ablesbar.
Entworfen wurde das Haus von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg gemeinsam mit Fritz Eller, Erich Moser und Robert Walter. Auftraggeber war die Phoenix-Rheinrohr AG, die das Gebäude als Büro- und Verwaltungsbau nutzte. Ab 1964 gehörte das Unternehmen zu Thyssen; daraus stammt der bis heute gebräuchliche Name Thyssen-Haus. Die ursprüngliche Nutzung als Unternehmenssitz prägt den Zweck des Hochhauses: Es ist ein Bürogebäude im Zentrum, dessen Architektur aus dem öffentlichen Stadtraum betrachtet werden kann.
Die Staffelung der Scheiben wird am deutlichsten, wenn Sie die Ansicht wechseln: Frontal vom Platz wirkt die Fassade als ein zusammenhängendes Hochhaus, schräg von der Seite treten die Verschiebungen der drei Baukörper hervor. Die filigrane Außenhaut hält den Blick auf die vertikalen Linien offen und lässt die Umgebung in der Glasfläche erscheinen. Am Boden vermittelt der Platz zwischen dem Hochhaus und dem Theater; ein kurzer Wechsel zum Hofgarten zeigt, wie nah die dichte Innenstadt und die große Grünanlage beieinanderliegen. Die Architektur lässt sich daher gut in Bewegung erleben, statt allein an einem Standpunkt betrachtet zu werden.
Zwischen Schauspielhaus, Hofgarten und Kö-Bogen
Am Gustaf-Gründgens-Platz steht das Dreischeibenhaus dem Düsseldorfer Schauspielhaus gegenüber. Die weiße, geschwungene Form des Theaters setzt einen deutlichen Kontrast zur geradlinigen Glas-Stahl-Architektur. Gemeinsam zeigen die beiden Häuser unterschiedliche Gestaltungsansätze der Nachkriegsarchitektur. Der Hofgarten ergänzt den städtischen Platz um eine ausgedehnte Parklandschaft; in Richtung Königsallee schließt der Kö-Bogen an.
Der Bau lässt sich von mehreren Seiten im Stadtraum betrachten. Vom Platz zeigt sich die Beziehung zum Schauspielhaus, vom Hofgarten aus treten Höhe und schmale Silhouette stärker hervor. Wer den Besuch als Architekturroute plant, kann anschließend weitere Sehenswürdigkeiten in Düsseldorf einbeziehen. Diese Blickfolge macht den Unterschied zwischen Gebäudeform und Stadtraum deutlich: Die drei Scheiben bilden eine vertikale Landmarke, während Theater, Park und neue Nachbarbebauung den Platz auf verschiedenen Maßstäben fassen.
Ein Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne
Das Dreischeibenhaus steht für die wirtschaftliche und bauliche Erneuerung der Bundesrepublik in den 1950er-Jahren. Seine klare Form verbindet die technische Anmutung des Stahlskelettbaus mit einer transparenten Außenhaut. Zugleich blieb das Gebäude Teil eines sich wandelnden Stadtzentrums. Der Umbau der Nachbarschaft am Kö-Bogen und der Rückbau des Tausendfüßlers veränderten die Wege und Freiräume rund um den Platz; das Hochhaus blieb als prägnante Orientierung erhalten. So lässt sich an einem kurzen Rundgang nachvollziehen, wie Düsseldorfs Zentrum unterschiedliche Schichten der Nachkriegs- und Gegenwartsarchitektur zusammenführt.
Für den Eurovision Song Contest 2011 war eine großflächige Projektion auf der Fassade des Dreischeibenhauses als „größter Fernseher der Welt“ angekündigt. Am 29. April 2011 wurde das Vorhaben jedoch abgesagt: Der Initiator verwies auf den hohen technischen Aufwand und die Kosten.