Basilika St. Lambertus in Düsseldorf
Die Basilika St. Lambertus steht an einem der ältesten nachweisbaren kirchlichen Standorte Düsseldorfs. Ihre Baugeschichte reicht in die Zeit vor der Stadterhebung zurück; der heutige gotische Kirchenbau entstand über mehrere Etappen und wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts vollendet. Auch der ehemalige Kirchhof gehört zur Geschichte des Ortes: Unter den Plätzen und Wegen rund um die Kirche liegen Spuren von Gemeinde, Bestattung und Stadtentwicklung.
Ein Kirchenstandort vor der Stadtgründung
Am Standort der heutigen Kirche stand mindestens seit der Mitte des 12. Jahrhunderts ein Gotteshaus. Vermutlich wurde es 1206 zur Pfarrkirche erhoben. Der kleine Ort an der Düssel besaß damit schon vor der Stadterhebung einen kirchlichen Mittelpunkt. Als Düsseldorf 1288 zur Stadt erhoben wurde, entstand im Zentrum ein Kanonikerstift. Mit ihm begann der Bau einer neuen Stiftskirche im gotischen Stil, die die ältere Pfarrkirche ersetzte.
Die Arbeiten erfolgten in mehreren Bauphasen. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die dreischiffige Hallenkirche vollendet, deren Grundform bis heute das Zentrum der Altstadt prägt. Im Chor des heutigen Baus wurden im 17. Jahrhundert Fundamente des Vorgängerbaus entdeckt. Sie machen sichtbar, dass die Geschichte des Platzes älter ist als die Kirche, die Besucher heute vor sich sehen. Eine Urkunde von 1303 erwähnt erstmals ausdrücklich den zum Stift gehörenden Friedhof.
Kirche, Stift und mittelalterlicher Stadtkern
Nach der Vollendung des Kirchenbaus erhielt das Stift nach 1392 einen eigenen Immunitätsbezirk. Dieser Rechtsbezirk war von der übrigen Stadt abgegrenzt und lag ungefähr im Bereich des heutigen Stiftsplatzes. Im Süden, Osten und Westen rahmten Gebäude das Areal; im Norden begrenzte es eine Mauer. Ihre Fundamente wurden 2012 bei Leitungsarbeiten in der Straße Alte Stadt freigelegt. Das Mauerwerk war etwa 80 Zentimeter breit und bestand aus Geröll, Bruchsteinen und einzelnen Ziegelfragmenten in Kalksandmörtel.
St. Lambertus lässt sich deshalb als Teil eines größeren mittelalterlichen Ensembles verstehen: Kirche, Stift, Kirchhof und umgebende Gassen bildeten gemeinsam den frühen Stadtkern. Der nahe Burgplatz führt zu einem weiteren wichtigen Ort der Düsseldorfer Altstadt. Das Stadterhebungsmonument erinnert an den Schritt zur Stadt im Jahr 1288, der auch den Bau der Stiftskirche prägte. Die benachbarten Plätze und Bauten verbindet der Beitrag zur Düsseldorfer Altstadt.
Der Kirchhof und archäologische Spuren
Der Friedhof erstreckte sich über große Teile der Freiflächen um die Kirche. Bei Bauarbeiten im Jahr 2016 wurden südlich von St. Lambertus ungestörte Gräber entdeckt, teils nur etwa 60 Zentimeter unter dem Pflaster. Grüne Verfärbungen an einigen Schädeln stammten von korrodierten Kupferdrähten und weisen auf sogenannte Totenkronen hin – Draht- und Textilschmuck, der unverheirateten Menschen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert mitgegeben wurde. Außerdem kamen Fundamente eines kleinen Gebäudes zum Vorschein, bei dem es sich wahrscheinlich um das in einem Schriftstück von 1570 erwähnte Beinhaus handelt.
Auch die Untersuchung von 2026 erschloss einen Teil dieses historischen Friedhofs. Bei Arbeiten am Fischerjungenbrunnen wurden zunächst vermischte Tier- und Menschenknochen, Ziegel, Mörtel und Keramik gefunden. Auf der Grabensohle lag in etwa einem Meter Tiefe ein menschliches Skelett in ungestörter Lage. Die Bestattung war nach Osten ausgerichtet; da kein tieferer Bodeneingriff nötig war, blieben die Knochen an Ort und Stelle. So zeigen sich am selben Standort sowohl gestörte Erdschichten als auch einzelne erhaltene Befunde.
Vom Friedhof zum Platz
Mit dem Wachstum Düsseldorfs wurde der Kirchhof spätestens im 18. Jahrhundert zu klein. Die Toten lagen nahe an der Oberfläche, das Gelände hob sich, und bei Hochwasser waren die umliegenden Häuser zunehmend betroffen. 1766 wurde der Friedhof geschlossen; die katholischen Bürger wurden danach vor dem Flinger Tor bestattet. 1815 wurde der ehemalige Kirchhof planiert und als städtischer Platz gestaltet. Der Fischerjungenbrunnen kam 1938 zum 650-jährigen Stadtjubiläum hinzu. Nach der Sanierung 2026 führt er wieder Wasser. Beim Besuch zeigt sich die lange Geschichte des Ortes am Kirchenbau und an der Abfolge von Stift, Friedhof, Platz und Brunnen.