Gerresheim: Stiftskirche, Gerricusplatz und Glashüttengeschichte
Gerresheim liegt im Osten Düsseldorfs und ist mit Gerricusplatz und Stiftskirche St. Margareta ein eigenständiger historischer Ortskern. Die Straßenfolge um den Platz bewahrt den Grundriss einer alten Marktsiedlung. Das Stadtbild verbindet sakrale Bauten, frühere Befestigung und Wohnhäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Später wurde die Glashütte zu einem zweiten prägenden Kapitel der Ortsgeschichte.
Stift, Kirche und Marktort
Das Kanonissenstift wurde um 870 von Gerrich gegründet; seine Tochter Regenberga war die erste Äbtissin. Die Stiftskirche St. Margareta am Gerricusplatz wurde 1236 geweiht. Sie zählt zu den gut erhaltenen Kirchen der Staufenzeit. Rund um das Stift entwickelte sich eine Marktsiedlung mit wirtschaftlicher und gerichtlicher Bedeutung. Ein Getreidemaß aus Gerresheim ist um 1182 belegt. 1368 erhob Graf Wilhelm von Berg den Ort zur Freiheit mit Privilegien, aus denen sich Stadtrechte ableiteten. Eine erste Befestigung ist seit 1219 überliefert, eine Stadtmauer seit 1390 bezeugt. Der historische Ortskern bewahrt bis heute die räumliche Verbindung von Kirche, Marktbereich und früheren Toren.
Gerresheims Stadtgrundriss und Baudenkmäler
Die Denkmalbereichssatzung schützt den alten Stadtkern als zusammenhängendes Gefüge aus Gebäuden, Wegen, Straßen und Plätzen. Dazu gehören Häuser am Gerricusplatz und am Neusser Tor sowie der Alte Markt 10. Am Kölner Tor 40 ist ein Teil der Stadtmauer in ein Gebäude einbezogen. Der Verlauf der mittelalterlichen Befestigung ist im Ortsgrundriss noch ablesbar. Brände zerstörten die Stadt 1568 und 1605; 1697 ließ Kurfürst Johann Wilhelm die Stadtmauer erneuern. Der Platz vor der Stiftskirche, der Marktbereich und die erhaltenen Mauerreste bilden damit verschiedene Zeugnisse derselben historischen Entwicklung.
Vom Stift zur selbstständigen Stadt
1803 wurde das Stift aufgehoben; die Gebäude dienten noch bis 1828 als weltliche Versorgungseinrichtung für Beamtentöchter. Die frühere Stiftskirche ist heute Pfarrkirche. Gerresheim blieb eine eigenständige Stadt, bis es 1909 nach Düsseldorf eingemeindet wurde. In der Altstadt treffen damit die kirchliche Geschichte des Stifts und die spätere kommunale Entwicklung aufeinander. Das ehemalige Katharinenbergkloster, die Stiftskirche und der Gerricusplatz zeigen unterschiedliche Funktionen, die Gerresheim als Zentrum des östlichen Düsseldorfer Raums übernahm.
Glashütte und industrielle Entwicklung
Ferdinand Heye gründete die Glashütte 1864. Bis 1886 entwickelte sich das Werk zum weltweit größten Flaschenhersteller. Arbeitskräfte kamen aus verschiedenen Teilen Europas; die Fabrik veränderte die lokale Wirtschaft und ließ Arbeitersiedlungen entstehen, die heute unter Denkmalschutz stehen. 1999 wurde das Gerresheimer Werk verkauft, ein Einschnitt in der örtlichen Industriegeschichte. Der erhaltene Glasturm erinnert an den Standort der Produktion. Die Industriegeschichte ergänzt die mittelalterlichen Zeugnisse um ein jüngeres Kapitel, das Gerresheims Wachstum und seine Verbindungen zur überregionalen Wirtschaft prägte.
Gerresheim und die Nachbarorte im Bezirk
Der historische Kern lässt sich mit den Spuren der Glashütte zu einem Besuch verbinden: Kirche und Marktort stehen für die ältere Geschichte, Turm und Arbeitersiedlungen für die industrielle Entwicklung. Gerresheim bildet zugleich den Mittelpunkt des Stadtbezirks 7. Weitere unterschiedliche Ortslagen zeigen Grafenberg, Ludenberg, Hubbelrath und Knittkuhl.