Rath in Düsseldorf: Mannesmann-Geschichte und St. Josef
Rath liegt im Düsseldorfer Norden und verbindet eine lange Wald- und Siedlungsgeschichte mit dem industriellen Wandel. Der Aaper Wald, die Kirche St. Josef, Wohnquartiere und die Gewerbegebiete an der Theodorstraße stehen für unterschiedliche Etappen der Ortsentwicklung. Der Ausbau der Eisenbahn und die Ansiedlung großer Werke machten Rath im späten 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort.
Aaper Wald und frühe Siedlungsspuren
Der Aaper Wald wird bereits 1140 urkundlich erwähnt. Die Stadt nennt den Ort Rath 1375 als „Roede under dem Aype“; Aype oder Aape bezeichnete einen wasserreichen Wald. Archäologische Funde aus der Jungsteinzeit und aus der Zeit vor 1000 v. Chr. belegen frühe Besiedlungsspuren in der Umgebung. Weitere Ausgrabungen weisen auf eine Siedlung um 500 n. Chr. hin.
Eisenbahn und Industriestandort
Die Bahnstrecken Düsseldorf–Duisburg (1846) und Düsseldorf–Essen (1872) begünstigten Raths Entwicklung vom Weilergebiet zum Industriestandort. In den 1880er Jahren siedelten sich die Maschinenfabrik der Gebrüder Poensgen und die Pahl’sche Gummi- und Asbestgesellschaft an; 1891 folgte die Maschinenfabrik Sack & Kiesselbach. Mannesmann verlegte sein Werk 1897 nach Rath und nahm 1899 ein Schweißrohrwerk auf einem rund 256.000 Quadratmeter großen Gelände in Betrieb. Im benachbarten Betrieb entstanden auch nahtlose Röhren. 1909 wurde Rath nach Düsseldorf eingemeindet und zugleich von Unterrath getrennt. Das Nebeneinander von Bahn, Werkstoren und Wohnquartieren prägte die Stadtteilentwicklung: Die Arbeitersiedlung an der Dortmunder Straße entstand 1921 direkt am Werksgelände, die D-Zug-Siedlung des Düsseldorfer Spar- und Bauvereins folgte 1929 bis 1932.
Das Industriegebiet und seine Gleisanlagen nahmen einen großen Teil der Stadtteilfläche ein; die Wohnquartiere entwickelten sich vor allem dort, wo zwischen Werk und Verkehrswegen Raum blieb. Nach 1900 verdichteten sich zentrale Lagen um Westfalenstraße und Oberrather Straße. Der historische Bericht beschreibt dort städtische Wohnhäuser und am Rand des Aaper Waldes freistehende Häuser mit villenartigem Charakter. Diese Unterschiede zeigen, wie Rath als Industrie- und Arbeiterort zugleich verschiedene Wohnmilieus ausbildete.
St. Josef, Wohnquartiere und Rather Waldstadion
Die katholische Kirche St. Josef entstand am Rather Kirchplatz zwischen 1904 und 1909. In der Nähe wurde 1903 das Augustakrankenhaus gegründet und 1925 erweitert. Westfalenstraße und Oberrather Straße bildeten zentrale Wohn- und Geschäftsachsen; zwischen 1903 und 1906 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde. Um 2000 entstand an der Lünener Straße ein größeres Neubaugebiet in direkter Nachbarschaft zur Industrie. Zwischen Rather Kreuzweg und S-Bahn-Trasse ergänzen freistehende Häuser der 1950er und 1960er Jahre die Wohnbebauung rund um den Weitmarer Platz. Das Rather Waldstadion ergänzt diese Geschichte um ein örtliches Sportziel, während an der Theodorstraße neue Gewerbe- und Veranstaltungsflächen aus früheren Industriearealen hervorgingen.
Rath und Unterrath im Stadtbezirk 6
Rath und Unterrath waren Teil derselben früheren Honschaft. Unterrath und Lichtenbroich ergänzen die Einordnung Raths im nördlichen Stadtgebiet. Gemeinsam mit Mörsenbroich gehören sie zum Stadtbezirk 6. In Rath liegen die Spuren dieser Entwicklung in den Verkehrsachsen, dem Werksgelände und den Wohnquartieren nahe beieinander.