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Reisholz in Düsseldorf: Industriegeschichte am südlichen Stadtrand

Reisholz erzählt von der industriellen Entwicklung des Düsseldorfer Südens. Industriegebiet, Bahn und Rheinwerft entstanden in enger zeitlicher Folge und prägten Arbeitsplätze, Wohnquartiere und die räumliche Struktur des Stadtteils. Die Ortsgeschichte reicht über die Eingemeindung Benraths 1929 hinaus: Schon zuvor wurde Reisholz als Industriestandort für Düsseldorf erschlossen, obwohl das Gebiet noch zu Benrath gehörte.

Ein Industrieareal für Düsseldorf

Hermann Heye gründete 1898 die Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz AG. Die Gesellschaft erschloss große Flächen für verschiedene Unternehmen und legte damit die Grundlage für ein zusammenhängendes Industriegebiet. Diese Entwicklung verband Reisholz eng mit Düsseldorfs wirtschaftlichem Wachstum, während die kommunale Zugehörigkeit zunächst bei Benrath blieb. Als Benrath 1929 eingemeindet wurde, war Reisholz daher bereits als eigener Gewerbestandort etabliert. Die Geschichte des Stadtteils erklärt sich aus dieser zeitlichen Verschiebung zwischen wirtschaftlicher Planung und späterer kommunaler Neuordnung.

Bahn und Rheinwerft als Transportwege

Seit 1899 verband ein eigens für den Absatz der Industrieprodukte angelegter Güter- und Übergabebahnhof das Areal mit der Strecke Köln–Duisburg. 1901 kam der Reisholzer Rheinhafen für den Schiffsverkehr hinzu. Bahn und Wasserweg ergänzten einander: Der Bahnhof schloss die Betriebe an das Schienennetz an, der Hafen ermöglichte Spedition auf dem Rhein. Die Reisholzer Rheinwerft gehörte ebenfalls zu diesem industriellen Umfeld. So lässt sich die Entwicklung als bewusste Erschließung eines Gewerberaums verstehen, dessen Verkehrsverbindungen früh über die unmittelbare Nachbarschaft hinausreichten.

Werkswohnungen und Siedlung Reisholz

Die Arbeitsstätten brachten auch die Frage nach Wohnraum für Beschäftigte mit sich. Die Siedlung Reisholz wurde ab 1928 durch die Baugesellschaft Reisholz errichtet. Sie ergänzt die ältere Industrie- und Verkehrsgeschichte um eine konkrete Wohnanlage: Aus dem Gewerbegebiet entwickelte sich ein Ort, an dem Arbeiten und Wohnen in räumlicher Nähe zusammentrafen. Die benachbarten Arbeitsstätten und ehemaligen Werkswohnungen prägen bis heute die für Reisholz typische Mischung.

Die Siedlung entstand im Südwesten von Reisholz zwischen Eichel- und Briedestraße mit 144 Wohnungen in 40 Häusern. Die Gasbeleuchtung umfasst Ansatzleuchten und Alt Düsseldorfer Leuchten. Auf der Hoffläche der Siedlung und an der Bessemerstraße als Verbindungsstraße gehören Aufsatzleuchten zum Straßen- und Hofraum.

Henkelstraße und Bürgerhaus heute

Die Henkelstraße bildet den örtlichen Bezugspunkt für den täglichen Bedarf. Eine Ortsumgehung entlastet den Stadtteil vor allem vom Schwerlastverkehr. Das Bürgerhaus Reisholz bietet ein Kultur- und Freizeitprogramm in einem früheren Kino. Diese Orte machen die heutige Seite des Stadtteils neben den historischen Anlagen sichtbar: Gewerbe, Wohnen und alltägliche Versorgung liegen weiterhin nah beieinander. Die Umnutzung des ehemaligen Kinos zu einem Bürgerhaus zeigt zugleich, wie ein vorhandenes Gebäude eine neue öffentliche Funktion erhielt.

Reisholz im Düsseldorfer Süden

Reisholz gehört zum Stadtbezirk 9. Ein Vergleich mit Holthausen ergänzt die Industrie- und Arbeitsgeschichte um einen weiteren Teil des südlichen Stadtgebiets. Benrath führt dagegen zur Schloss- und Gartenlandschaft und erinnert an die frühere gemeinsame kommunale Zugehörigkeit. So lässt sich Reisholz als eigenständige Station zwischen Industriegeschichte, Hafenentwicklung und Stadtteilalltag einordnen.