St. Martin in Düsseldorf: Martinszüge und Laternenbrauch
Rund um den Martinstag im November ziehen in Düsseldorf Laternenzüge durch die Stadtteile. Kinder tragen selbst gestaltete Laternen, singen Martinslieder und folgen häufig Sankt Martin zu Pferd. Neben dem großen Altstadtzug veranstalten Schulen, Kindergärten, Vereine und lokale Martinskomitees eigene Umzüge. In den zwei Wochen um den Martinstag findet nach Angaben der Stadt fast jeden Abend in mindestens einem Stadtteil ein Martinszug statt. St. Martin gehört zu den im Herbst gefeierten Düsseldorfer Veranstaltungen im Jahreslauf.
Vom ersten Zug zum organisierten Altstadtfest
Die Geschichte des Altstadtzugs beginnt 1871 mit einem zunächst unorganisierten Martinszug. 1886 wurde der Zug erstmals organisiert. In den 1920er-Jahren gründeten Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger die Vereinigung der Freunde des Martinsfestes, die das Altstadtfest bis heute prägt. Zu ihren Veranstaltungen gehören neben dem Umzug eine Ausstellung von Martinslampen und die Auszeichnung besonders gestalteter Laternen.
Zum Altstadtzug gehört die Mantelteilung. Sie erinnert an die christliche Erzählung von Martin von Tours: Er lebte im vierten Jahrhundert, teilte als Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler und wurde später Bischof von Tours. Bei den städtisch dokumentierten Ausgaben 2023 und 2025 führte der Zug vom Stiftsplatz durch die Altstadt zum Marktplatz am Rathaus und anschließend zum Burgplatz. Die Mantelteilungen an Marktplatz und Burgplatz gaben diesen beiden Zügen ihre markanten Stationen. 2025 führte der Weg über Ratinger Straße, Neubrückstraße, Andreasstraße und Kurze Straße zum Rathaus, anschließend über Marktstraße und Rheinort zum Burgplatz.
Ein Brauch in den Stadtteilen
Die Martinszüge vor Ort haben jeweils eigene Veranstalter und Wege. In Gerresheim lud die Stadt 2015 nach dem Martinsumzug zum „Gripschen“ am Rathaus ein. Das Wort bezeichnet im Düsseldorfer Brauchtum den Gang von Kindern zu Nachbarn, bei dem sie Martinslieder singen und um kleine Gaben bitten. Der historische Ortskern von Gerresheim bildet dabei einen eigenen lokalen Rahmen für diesen Nachbarschaftsbrauch.
Eine weitere lokale Form war 2016 die städtische Aktion „Sammeln statt Gripschen“: Schülerinnen und Schüler warben dabei Spenden für „Düsseldorfer helfen Kindern“ ein. Der Name griff den bekannten Brauch auf; die Aktion unterstützte Kinder- und Jugendprojekte. Gripschen und Martinszug gehören damit zusammen, bleiben aber unterscheidbare Bestandteile des Düsseldorfer Martinsbrauchtums.
Laternen, Lieder und gemeinschaftliche Organisation
Die Laterne ist das sichtbare Zeichen des Umzugs. Beim Altstadtfest prämiert die Vereinigung besonders gestaltete Exemplare; in Schulen und Kindergärten entstehen viele Laternen als gemeinsame Bastelarbeiten. Die ausgewählten Arbeiten werden zuvor in einer Ausstellung gezeigt und von einer Jury bewertet. Bei der städtisch dokumentierten Preisvergabe 2025 erhielten die ausgezeichneten Kinder unter anderem eine Urkunde, einen Martinstütengutschein und eine gefüllte Spardose. Musik und Martinslieder begleiten die Züge, während die Mantelteilung die Erzählung vom Teilen szenisch aufgreift.
Der Altstadtzug verbindet seine seit dem 19. Jahrhundert dokumentierte Geschichte mit Stationen rund um Rathaus und Burgplatz. In den Quartieren tragen örtliche Veranstalter den Brauch in ihre Nachbarschaften. Die vielen lokalen Züge verteilen das Martinsfest über mehrere Abende und Stadtteile.