Quadriennale Düsseldorf: zwei Kunstfestivals im Rückblick
Die Quadriennale war ein Düsseldorfer Festival der bildenden Kunst, das Ausstellungen in mehreren Museen und Ausstellungshäusern bündelte. Die zweite Ausgabe fand 2010 unter dem Leitgedanken „Kunstgegenwärtig“ statt; 2014 folgte die dritte Quadriennale mit dem Thema „Über das Morgen hinaus“. Beide Festivals verbanden lokale Kunstgeschichte mit zeitgenössischen Positionen und machten die Museen der Stadt zu einem gemeinsamen Ausstellungsparcours.
„Kunstgegenwärtig“: Düsseldorf im Dialog
Die Quadriennale 2010 lief vom 11. September 2010 bis zum 16. Januar 2011. Zehn Düsseldorfer Museen und Ausstellungshäuser entwickelten Ausstellungen, ergänzt durch vier Partnerbeiträge, 30 Galerien, Skulpturen im Außenraum und ein begleitendes Veranstaltungsprogramm. Das Festival betrachtete Entwicklungen der Düsseldorfer Kunst seit den 1960er-Jahren und setzte sie in Beziehung zum aktuellen Kunstschaffen. Ein Symposium zum Auftakt, Skulpturen im Außenraum und begleitende Veranstaltungen ergänzten die Museumsprogramme.
Zu den hervorgehobenen Künstlerinnen und Künstlern gehörten Joseph Beuys, Nam June Paik, Marcel Broodthaers, James Lee Byars und Katharina Sieverding. Die Quadriennale griff außerdem die Düsseldorfer Akademie als wichtigen Ort künstlerischer Entwicklung auf: Katharina Fritsch und Thomas Schütte kamen aus ihrem Umfeld; aus der von Bernd Becher geleiteten Fotoklasse entwickelte sich die international bekannte Becher-Schule. Die Ausstellungen beleuchteten damit sowohl prägende Nachkriegspositionen als auch jüngere Kunst aus der Stadt.
Bei der Eröffnung im September 2010 erhielt Thomas Schütte den mit 55.000 Euro dotierten Kunstpreis der Landeshauptstadt. In der Eröffnungsnacht konnten Besucherinnen und Besucher die teilnehmenden Ausstellungen bei freiem Eintritt ansehen; 11.000 Menschen nutzten das Angebot. Der Kunstpreis verband das Festival mit einer kommunalen Auszeichnung für international herausragende Gegenwartskunst.
„Über das Morgen hinaus“: Kunst und Zukunft
Die Quadriennale 2014 setzte einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Ihr Leitthema „Über das Morgen hinaus“ öffnete den Blick auf Zukunftsvorstellungen, gesellschaftliche Entwicklungen und künstlerische Antworten. Die Stadtchronik bilanziert mehr als 310.000 Besucherinnen und Besucher in 13 Ausstellungen sowie bei zahlreichen Sonderveranstaltungen. Im K20 am Grabbeplatz begann das Festival mit einer Ausstellung zu Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian.
Das Programm reichte über die großen Kunstmuseen hinaus. Das Filmmuseum zeigte im Rahmen der Quadriennale die Ausstellung „Visionen und Alpträume – Die Stadt der Zukunft im Film“; auch weitere Häuser entwickelten Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen. So wurde das Leitmotiv aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt und die Quadriennale als gemeinsamer Stadtrundgang durch Kunst, Film und Museum erlebbar.
Ein gemeinsames Kulturformat
Für die Vorbereitung und Durchführung wurde 2008 eine städtische Quadriennale-Gesellschaft gegründet. Ihre Aufgabe umfasste auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung Düsseldorfs als Kulturstandort. Die Struktur machte es möglich, viele Institutionen unter einem Thema zusammenzuführen und die Kunstangebote über einzelne Museen hinaus zu verbinden.
Die Ausgaben von 2010 und 2014 zeigen das Format in zwei unterschiedlichen Momenten: „Kunstgegenwärtig“ untersuchte die Beziehungen zwischen Düsseldorfer Kunstgeschichte und Gegenwart, „Über das Morgen hinaus“ fragte nach Zukunftsbildern. Zusammen machten die Festivals die städtische Museumslandschaft als zusammenhängenden Kunstort sichtbar.
Ergänzend zu den Ausstellungen standen für einen Kulturaufenthalt auch die Düsseldorfer Parks als öffentliche Freiräume zur Verfügung.