Düsseldorfer Radschläger: Tradition und Wahrzeichen
Der Düsseldorfer Radschläger zeigt ein Kind oder einen Jugendlichen beim Radschlagen: Die Hände stützen am Boden, während die Beine in einem seitlichen Überschlag über den Körper schwingen. Als Stadtsymbol begegnet die Figur auf Brunnen, Fassaden, Skulpturen und kleinen Alltagsgegenständen. Das Motiv verbindet Bewegung und Spiel mit einem Bild, das sich leicht als Zeichen Düsseldorfs wiedererkennen lässt. Der Düsseldorfer Radschläger ist zugleich eine lebendige Tradition, die im öffentlichen Raum und bei Wettbewerben sichtbar bleibt.
Historische Aufnahme der Radschläger-Figur vor dem Uerige in Düsseldorf. Foto: Markus.
Foto: Markus
Tradition zwischen Legende und belegter Geschichte
Eine verbreitete Erzählung verbindet das Radschlagen mit der Stadterhebung Düsseldorfs im Jahr 1288. Die Herkunft des Brauchs lässt sich jedoch nicht sicher auf ein einzelnes Ereignis zurückführen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schlugen Kinder in der Stadt für Besucher Räder und erhielten dafür kleine Münzen. Aus einer Bewegung, die auf Straßen und Plätzen zu sehen war, entwickelte sich ein wiedererkennbares Stadtzeichen. Die Stadterhebung 1288 ist ein zentraler Einschnitt der Geschichte Düsseldorfs; die Skulpturen am Burgplatz zeigen, wie die Stadtgeschichte im öffentlichen Raum erinnert wird.
Turniertradition am Carlsplatz
Das erste Radschlägerturnier fand am 17. Oktober 1937 auf dem Carlsplatz in der Carlstadt statt. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung ließen die Alde Düsseldorfer das Turnier wieder aufleben. Der Wettbewerb hat die volkstümliche Bewegung in eine organisierte Form überführt und hält sie für Kinder und Familien erlebbar. Beim 72. Stadtsparkassen-Radschlägerturnier 2025 meldeten sich fast 400 Mädchen und Jungen an. Der Wettbewerb fand am 29. Juni am Unteren Rheinwerft statt; bewertet wurden Stil und Geschwindigkeit. Die Veranstaltung wird von der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft getragen. Die Stadt ehrte die Gewinnerinnen und Gewinner später im Rathaus; den Wanderpokal erhielt die Montessori-Grundschule Lindenstraße. So umfasst die Turniertradition sowohl den öffentlichen Wettbewerb als auch eine Auszeichnung der teilnehmenden Kinder und ihrer Schulen. Die feste Wettbewerbsform bewahrt das Radschlagen als praktische Bewegungskunst und gibt jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen eigenen Auftritt im Stadtleben.
Friedrich Beckers klare Silhouette
Der Künstler Friedrich Becker gestaltete auch eine moderne Radschläger-Skulptur aus sechs Figuren, die zusammen einen Würfel bilden. Die Stahlskulptur wurde am 24. August 1998 an der Berliner Allee vor den Schadow-Arkaden enthüllt. Das geometrische Werk übersetzt die bewegte Körperhaltung in eine klare räumliche Form: Jede Figur ist Teil des Würfels, zugleich bleibt der einzelne Überschlag erkennbar. 1960 wurde Beckers Radschläger als Türknauf an einer Seitentür der Lambertuskirche angebracht. Nach seinem Tod setzte sich seine Witwe Hilde für die Präsenz der Figur in Düsseldorf ein. 2001 gestalteten verschiedene Künstler im Rahmen einer Kunstaktion rund 100 Radschläger mit einer Größe von jeweils etwa zwei mal zwei Metern, die im gesamten Stadtgebiet ausgestellt wurden.
Radschläger im Stadtraum entdecken
Am Burgplatz steht der Radschlägerbrunnen, den die Düsseldorfer Jonges 1954 stifteten. Der Ort verbindet das Stadtsymbol mit dem historischen Zentrum: Vom Platz führen Wege in die Altstadt und zum Rheinufer. Von dort lassen sich Altstadtgassen, Rheinpromenade und weitere historische Orte zu Fuß verbinden. Der Burgplatz öffnet den Blick auf Schlossturm und Rhein; in der Düsseldorfer Altstadt liegen historische Gassen und Rheinpromenade eng beieinander. Auf Fassaden und an Gebäuden begegnen Radschläger in sehr unterschiedlicher Gestaltung. Beim Rundgang lohnt es sich, auf die Haltung der Figur zu achten: Manche Darstellungen wirken wie eine Momentaufnahme des Überschlags, andere abstrahieren ihn zu einem Zeichen. So werden Brunnen, Relief, Türbeschlag und Skulptur zu verschiedenen Stationen einer gemeinsamen Bildtradition.