Düsseldorf in der napoleonischen Zeit: Großherzogtum Berg
Zwischen 1806 und 1813 wurde Düsseldorf zum politischen Zentrum des Großherzogtums Berg. Die Stadt erlebte einen Wechsel von dynastischer Herrschaft zu einer stärker zentralisierten Verwaltung nach französischem Vorbild. Gleichzeitig veränderte sich das frühere Festungsgebiet: Aus militärischen Flächen entstanden Wege, Straßen und Grünanlagen, die bis heute die Innenstadt gliedern.
Vom Herzogtum zum Großherzogtum Berg
Napoleon übertrug das Herzogtum Berg 1806 seinem Schwager Joachim Murat. Murat zog am 24. März in Düsseldorf ein; im Juli wurde das Gebiet zum Großherzogtum erhoben. Düsseldorf erhielt damit die Rolle einer Hauptstadt. Murat hielt sich jedoch nur zeitweise in der Stadt auf und war häufig auf Feldzügen. 1808 trat er das Großherzogtum an Napoleon ab, der die Herrschaft selbst übernahm. Diese Abfolge erklärt, warum die Stadt in kurzer Zeit mehrere politische Veränderungen erlebte.
Mit der neuen Regierung veränderten sich auch kommunale Strukturen. Der bisherige Magistrat wurde 1806 durch eine eingesetzte Munizipalität ersetzt. Später ordnete eine französisch geprägte Departementsverfassung das Staatsgebiet neu. Das Feudalsystem wurde aufgehoben und 1810 trat der Code Napoleon in Kraft. Diese Reformen veränderten Verwaltung und Recht, während die Bevölkerung zugleich mit den Folgen der Kriegs- und Handelspolitik konfrontiert war. Rheinzölle und Kontinentalsperre erschwerten den Austausch von Waren und belasteten die regionale Wirtschaft.
Napoleons Besuch und die Neugestaltung der Stadt
Napoleon besuchte Düsseldorf vom 2. bis 5. November 1811. Sein Einzug führte über die Elberfelder Straße; während des Aufenthalts besuchte er eine Gewerbeausstellung und wohnte im Schloss Jägerhof. Die Ausstellung gilt als früher wichtiger Impuls für das Düsseldorfer Messe- und Ausstellungswesen. Für den Stadtgrundriss war die Überlassung von Teilen der ehemaligen Befestigungsanlagen an die Bürgerschaft besonders folgenreich: Die Flächen sollten zu Parkanlagen umgestaltet werden.
Die Festungswerke waren bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschleift worden. Die Entwicklung des Hofgartens hatte zuvor eingesetzt und wurde durch die neuen Freiflächen erweitert. Wege und Grünzüge ersetzten militärische Nutzungen; sie verbanden die Innenstadt mit dem nördlichen Stadtraum. Die spätere Königsallee erhielt ihren Platz im Zuge dieser Neuordnung und entwickelte sich zu einer repräsentativen innerstädtischen Straße. Der heutige Spaziergang zwischen Königsallee und Hofgarten führt damit durch Bereiche, deren öffentliche Nutzung aus dem Wandel der Festungsflächen hervorging.
Ende der französischen Herrschaft
1813 erreichten russische Truppen Düsseldorf; damit endete die französische Herrschaft vor Ort. 1815 kam die Stadt unter preußische Herrschaft. Verwaltung und Rechtsordnung wirkten über den politischen Wechsel hinaus. Verwaltung, Rechtsordnung und die neue Nutzung zentraler Flächen hatten die Stadt bereits geprägt. Für die Orientierung in den folgenden Jahrhunderten bietet der Überblick zur Geschichte Düsseldorfs den größeren Zusammenhang; die Entwicklung der Altstadt zeigt, wie eng politische Geschichte und baulicher Stadtraum miteinander verbunden sind.
Was von der Epoche im Stadtbild ablesbar ist
Die napoleonische Zeit dauerte in Düsseldorf nur wenige Jahre, doch politische Entscheidungen und städtebauliche Veränderungen wirkten länger nach. Die Hauptstadtfunktion stellte die Stadt in den Mittelpunkt eines neu geordneten Territoriums. Französische Verwaltungs- und Rechtsreformen griffen in bestehende Verhältnisse ein. Zugleich verwandelte sich das ehemalige Festungsgelände schrittweise in einen öffentlichen Freiraum. Heute begegnen Sie dieser Entwicklung in der Verbindung von Straßen, Parkanlagen und Plätzen. Gerade dieser Zusammenhang macht die Epoche für einen Rundgang durch Düsseldorf verständlich.