Düsseldorf im Krieg und Wiederaufbau
Der Zweite Weltkrieg veränderte Düsseldorf grundlegend. Luftangriffe und Artilleriebeschuss zerstörten große Teile der Stadt; etwa 6.000 Zivilpersonen starben. Als die Front im Frühjahr 1945 näher rückte, drohte eine Verteidigung bis zum letzten Mann. Die Aktion Rheinland trug dazu bei, den Einmarsch der US-Truppen zu ermöglichen. Nach dem Kriegsende begann der Wiederaufbau inmitten von Wohnungsnot und gewaltigen Trümmermengen. 1946 wurde Düsseldorf Landeshauptstadt des neu gegründeten Nordrhein-Westfalen. Kriegszerstörung, politische Entscheidung und neue Architektur prägen gemeinsam das heutige Stadtbild.
Zerstörung und Frontstadt
Die alliierte Bombardierung begann 1940; im weiteren Kriegsverlauf trafen schwere Angriffe besonders die Innenstadt. Seit Anfang Februar 1945 stand Düsseldorf unter Artilleriebeschuss. Die linksrheinischen Stadtteile waren ab dem 3. März befreit, rechtsrheinisch blieb die Stadt Frontgebiet. Die Rheinbrücken waren gesprengt, und die Gefahr weiterer Kämpfe betraf Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Infrastruktur. Die städtische Zeitleiste beziffert die Zerstörung auf rund die Hälfte des Stadtgebiets und nennt etwa 6.000 zivile Todesopfer. Der Übergang zum Kriegsende entschied damit über den Schutz der verbliebenen Bevölkerung und Bausubstanz.
Aktion Rheinland und das Kriegsende
Eine Gruppe Düsseldorfer Bürger plante, die Stadt den vorrückenden Amerikanern kampflos zu übergeben. Am 16. April 1945 setzte sie ihren Plan in Gang. Aloys Odenthal und August Wiedenhofen gelangten durch die deutschen Linien zu den US-Truppen und warben für die Übergabe. Fünf Mitglieder der Gruppe – Theodor Andresen, Franz Jürgens, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill – wurden verhaftet und noch in der Nacht zum 17. April hingerichtet. Am Nachmittag des 17. April begann der amerikanische Einmarsch; gegen 17 Uhr war Düsseldorf befreit. Das Mahnmal an der Anton-Betz-Straße erinnert an die Ermordeten. Die Aktion steht für den Einsatz einzelner Bürger gegen die Fortsetzung der Kämpfe und für den Schutz der Stadtbevölkerung.
Wiederaufbau unter neuen Bedingungen
Nach Kriegsende lagen nach städtischer Darstellung rund zehn Millionen Kubikmeter Schutt in Düsseldorf. Wohnraum, Versorgung und Verkehr mussten neu organisiert werden. Zugleich sollte die Stadt wieder Verwaltungs- und Wirtschaftsstandort werden. Die britische Entscheidung, Düsseldorf zur Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen zu machen, wurde am 1. August 1946 bekannt; die formelle Gründung des Landes erfolgte am 23. August. Der Hauptstadtstatus verlieh dem Wiederaufbau eine zusätzliche politische Aufgabe: Behörden, Verwaltung und die Infrastruktur einer Landesmetropole mussten in einer schwer beschädigten Stadt Platz finden.
Alte Plätze und moderne Stadtgestalt
Der Wiederaufbau bewahrte einzelne historische Bezugspunkte und veränderte zugleich Maßstab und Verkehrsführung. Auf dem Marktplatz steht heute wieder das Jan-Wellem-Reiterdenkmal als Bezugspunkt der alten Stadt. Rathaus und Altstadt stehen für die lange Geschichte des Zentrums; neue Büro- und Verwaltungsbauten zeigen die Entwicklung nach dem Krieg. Das Dreischeibenhaus entstand zwischen 1957 und 1960 und wurde zu einem markanten Beispiel der Nachkriegsmoderne. Im Stadtraum liegen deshalb Erinnerungen an die zerstörte Stadt, rekonstruierte oder wiedererrichtete Orte und Neubauten verschiedener Jahrzehnte nebeneinander.
Die Geschichte Düsseldorfs ordnet Krieg und Wiederaufbau in frühere Epochen ein. Die Industriegeschichte beschreibt die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Stadt vor dem Krieg. Am Rathaus und Marktplatz lassen sich politische Kontinuität und Wiederaufbau im historischen Zentrum nachvollziehen. Für die räumliche Verbindung von Altstadt und Ufer bietet sich außerdem die Altstadt-Rhein-Runde an.