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Düsseldorf als Industriestadt: Stahl, Röhren und Handel

Düsseldorf entwickelte sich im 19. Jahrhundert von der Residenz- und Verwaltungsstadt zu einem Industrie- und Handelszentrum am Rhein. Eisenbahn, Hafen, maschinelle Produktion und neue Fabriken verbanden die Stadt mit dem Umland und größeren Absatzmärkten. Die Gewerbeausstellung von 1852 und die Ansiedlung von Stahl- und Röhrenwerken stehen für diese Veränderung. Produktionsstandorte prägten neue Arbeitswege und Wohnquartiere; ihre späteren Nutzungen lassen den Wandel bis heute im Stadtbild erkennen. In der Geschichte Düsseldorfs schloss die Industrialisierung an die Zeit als Residenz- und Verwaltungsstadt an.

Hafen, Bahn und industrielle Energie

Der Düsseldorfer Hafen wurde 1831 zum Freihafen. Das Stadtarchiv verzeichnet für 1836 die Aufstellung der ersten Dampfmaschine der Stadt in der Bleiweißfabrik Deus und Moll. 1838 kam die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Düsseldorf–Erkrath hinzu. Die drei Stationen stehen für verschiedene Voraussetzungen wirtschaftlichen Wachstums: Der Hafen unterstützte den Warenumschlag, die Bahn schuf eine Verbindung ins Umland, und die Dampfmaschine ermöglichte mechanische Arbeit in einem konkreten Betrieb. 1854 wurde auch die Strecke Neuss–Oberkassel in Betrieb genommen. In denselben Jahren veränderten ein neuer Bebauungsplan und die Anlage der Friedrichstadt die bauliche Ausdehnung. Verkehrsnetze, Gewerbe und neue Stadtquartiere entwickelten sich damit nebeneinander.

Stahlwerk, Poensgen und Röhrenproduktion

1852 errichteten belgische Fabrikanten das erste Stahlwerk in Düsseldorf. Im selben Jahr fand eine bedeutende Gewerbeausstellung statt, ein sichtbarer Ausdruck des wachsenden wirtschaftlichen Lebens. 1860 wurden die ersten Poensgen-Werke nach Düsseldorf verlegt; das Stadtarchiv nennt dieses Jahr als Beginn der örtlichen Röhrenindustrie. Der Betrieb verband die Verarbeitung von Stahl mit einer Nachfrage nach Rohrprodukten und machte die Stadt zu einem Produktionsort für die aufstrebende Industrie. Das nahe Oberbilk wurde durch Fabriken, Eisenbahn und Arbeiterwohnquartiere geprägt. Die Entwicklung lässt sich dort räumlich nachvollziehen: Der Stadtteil wuchs entlang von Verkehrsachsen, während Arbeits- und Wohnorte eng beieinanderlagen. In Oberbilk verbindet sich die Industriegeschichte mit dem späteren Stadtwandel.

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Henkel und neue Unternehmensstandorte

Henkel wurde 1876 in Aachen gegründet. Für die weitere Entwicklung erwies sich der dortige Standort als zu eng; außerdem fehlten Bahn- und Wasseranschluss. Am 6. September 1878 wurde der Umzug nach Düsseldorf ins Handelsregister eingetragen. In Flingern mietete das Unternehmen 968 Quadratmeter an der Schützenstraße 27–33. Die Standortwahl verbindet drei konkrete Faktoren der damaligen Industriestadt: verfügbaren Raum, Zugang zu Verkehrswegen und die Nähe zu einem wachsenden Gewerbegebiet. Der Henkel-Umzug ergänzt so die Stahl- und Röhrenproduktion um die Geschichte eines Unternehmens, das seine nächste Entwicklungsphase in Düsseldorf begann.

Vom Werkgelände zum heutigen Stadtquartier

Die Nutzung ehemaliger Industrie- und Hafenflächen veränderte sich im 20. und 21. Jahrhundert weiter. Am MedienHafen erinnern Wasserlage und Hafenbecken an die frühere Funktion des Areals; heute prägen Büros, Gastronomie und zeitgenössische Architektur das Quartier. Oberbilk wiederum zeigt, wie eng industrielle Standorte, Bahntrassen und Wohnstraßen miteinander verwoben waren. Der Wechsel zwischen Produktion, Handel und Dienstleistungen verlief über mehrere Jahrzehnte und an verschiedenen Orten. Die Geschichte von Krieg und Wiederaufbau bietet den zeitlichen Anschluss an die Brüche des 20. Jahrhunderts.