Creamcheese Düsseldorf: Kunst- und Musikclub 1967–1976
Ein Club, in dem Kunst an den Wänden, über den Köpfen und mitten im Geschehen stattfand: Das Creamcheese machte Düsseldorf ab 1967 zu einem Ort für ungewöhnliche Begegnungen. Zwischen Musik, Licht, Bildern und Aktionen verschwammen die Grenzen zwischen Bühne, Ausstellungsraum und Nachtleben. Im Kunstpalast lässt sich heute ein Teil dieser besonderen Atmosphäre nachvollziehen.
Ein neuer Ort für Düsseldorfs Kunst- und Musikleben
Am 21. Juli 1967 eröffnete das Creamcheese in der Neubrückstraße 12 in der Altstadt. Hans-Joachim und Bim Reinert betrieben den Club. Die Idee dazu ging auf Günther Uecker zurück: Nach einem Aufenthalt in New York, wo er Andy Warhols Club The Dom kennengelernt hatte, wollte Uecker einen Ort schaffen, an dem Kunst und Clubleben zusammenkommen. Der Name Creamcheese bezog sich auf Suzy Creamcheese, eine Figur aus Songs von Frank Zappa.
Das Programm setzte auf ein Nebeneinander verschiedener Ausdrucksformen. Konzerte gehörten ebenso dazu wie Aktionen, Filme und Licht- oder Klangexperimente; auch Theater, Literatur, Mode und Tanz prägten das vielseitige Konzept. Das Creamcheese war ein Musikclub und zugleich ein Raum für künstlerische Begegnungen: Künstlerinnen und Künstler sowie das Publikum trafen dort aufeinander. Die Entwicklung des Clubs lässt sich in die Düsseldorfer Musikgeschichte einordnen.
Kunst, Licht und Bewegung im Raum
Für die Gestaltung arbeiteten mehrere Künstler zusammen. Heinz Mack entwarf die Aluminiumtheke, Gerhard Richter schuf das Wandbild PIN UP. An der Decke hing ein Fallenbild von Daniel Spoerri, das Alltagsgegenstände wie Gläser und Aschenbecher einbezog. Konkave Spiegel von Adolf Luther veränderten den Blick auf den Raum. Ferdinand Kriwets Rundscheiben und Projektionen setzten weitere visuelle Akzente.
Ein eindrücklicher Teil der Ausstattung war die Fernsehwand von Lutz Mommartz und Günther Uecker: 24 Röhrenfernseher zeigten unterschiedliche Bewegtbilder. Teilweise wurde auch das Publikum live übertragen. Dazu kamen Dias, Filme und abgestimmte Licht- und Akustikeffekte. Die Gestaltung prägte, wie sich Besucherinnen und Besucher im Club bewegten und was sie dort wahrnahmen. Ideen der ZERO-Kunst, bei der Licht, Bewegung und Raum wichtige Rollen spielten, klangen in diesem Zusammenspiel an.
Auch Performances machten das Creamcheese zu einem Ort künstlerischer Begegnung. Joseph Beuys trat dort mit Aktionen auf. Günther Uecker wirkte an der Entwicklung des Programms mit; beteiligt waren außerdem unter anderem Heinz Mack, Ferdinand Kriwet, Gerhard Richter, Adolf Luther, Lutz Mommartz und Daniel Spoerri. Die künstlerische Offenheit verband sich mit dem Alltag eines Clubs: Werke und Experimente trafen auf Gespräche, Musik und ein wechselndes Publikum. 1968 gab es außerdem eine Creamcheese-Dependance auf der documenta 4 in Kassel. Das Clubkonzept erhielt damit einen eigenen Auftritt im Rahmen der internationalen Kunstausstellung.
Vom Club in der Altstadt zum Raum im Kunstpalast
Das Creamcheese befand sich von 1967 bis 1976 an der Neubrückstraße. 1976 zog der Club in die Flingerstraße 11 um und führte dort den Namen „Cream“; an diesem Standort bestand er noch drei weitere Jahre. Die ursprüngliche Creamcheese-Zeit gehört in die Kunst- und Musikgeschichte der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Die spätere Düsseldorfer Punk- und New-Wave-Szene rund um den Ratinger Hof entwickelte sich in einem anderen zeitlichen und kulturellen Zusammenhang. In der Altstadt lassen sich so verschiedene Kapitel der Düsseldorfer Musikgeschichte verorten.
1978 kam die Innenausstattung des Creamcheese in den Kunstpalast. Seit November 2023 zeigt das Museum im Creamcheese-Raum eine Rekonstruktion des damaligen Eingangs- und Thekenbereichs. Sie orientiert sich am historischen Grundriss und entstand in Abstimmung mit beteiligten Künstlern und Nachlässen. Im Museumsraum sind Originalwerke aus dem Creamcheese-Kontext zu sehen, darunter die von Heinz Mack entworfene Theke und Gerhard Richters PIN UP. Damit begegnen sich zwei Zeiten an einem Ort: Das historische Clubleben fand in der Altstadt statt; der Museumsraum macht heute ausgewählte Werke und Gestaltungselemente erfahrbar. Als Teil der Kultur in Düsseldorf verbindet er Clubgeschichte und bildende Kunst an einem konkreten Ort.