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Jan Wellem und Düsseldorfs Zeit als Residenzstadt

Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, in Düsseldorf Jan Wellem genannt, machte die Stadt zwischen seiner Regierungsübernahme 1679 und seinem Tod 1716 zu einem repräsentativen Fürstensitz. Als Herzog von Jülich und Berg ließ er seine Geburts- und Residenzstadt erweitern und förderte Kunst und Musik am Hof. 1690 erhielt er zusätzlich die Kurwürde der Pfalz. Die baulichen und kulturellen Spuren dieser Herrschaft verbinden sich bis heute mit der Düsseldorfer Altstadt und dem Bild des Kurfürsten auf dem Marktplatz.

Residenzstadt und fürstlicher Hof

Jan Wellem übernahm 1679 die Herrschaft über die niederrheinischen Herzogtümer. Er baute Düsseldorf zu einer repräsentativen Residenz aus und ließ die Stadt nach Süden erweitern. Dazu gehörten Arbeiten am Stadtschloss, am Ballhaus und am älteren Schloss Benrath sowie neue Anlagen wie Marstall, Orangerie und Hofbräuhaus. Die Residenz brachte Verwaltung, Hofhaltung und Handwerk in räumliche Nähe und stärkte Düsseldorfs Rang innerhalb der Territorien am Niederrhein.

Der Hof war zugleich ein Zentrum der Künste. Jan Wellem sammelte Gemälde und förderte Maler, Musiker und Kunsthandwerker. Seine zweite Ehe mit Anna Maria Luisa de’ Medici vertiefte die Beziehungen zu den italienischen Künsten. Die Gemäldesammlung wurde zu einem wichtigen Bestandteil der kulturellen Bedeutung des Hofes. Das Stadtmuseum bewahrt zahlreiche Objekte zur Stadtgeschichte bis 1794, darunter Herrscherporträts Jan Wellems von Jan Frans van Douven. Sie zeigen, wie das Bild des Kurfürsten Teil höfischer Repräsentation wurde.

Kirchen und religiöse Vielfalt

Die konfessionelle Geschichte der Altstadt reicht über Jan Wellems Regierungszeit hinaus: Bereits 1672 wurden die lutherische und die reformierte Gemeinde in Düsseldorf geduldet. Während seiner Herrschaft entstanden wichtige protestantische Kirchen. Die reformierte Neanderkirche wurde 1683 bis 1687 gebaut, die lutherische Kirche an der Berger Straße 1687 vollendet. Beide liegen zurückgesetzt in der Altstadt; ihre Standorte spiegeln die damaligen Beschränkungen für protestantische Neubauten wider. Die städtische Chronik verzeichnet für 1712 außerdem die Errichtung der ersten Düsseldorfer Synagoge an der Neusser Straße. Zusammen machen diese Orte verschiedene religiöse Gemeinschaften und ihre Geschichte im Stadtraum sichtbar.

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Das erste Düsseldorfer Opernhaus

Im Herbst 1695 wurde an der Mühlenstraße in einem bestehenden Gebäude ein kurfürstliches Opernhaus eingerichtet. Die Eröffnung folgte am 12. Februar 1696 mit der Oper „Giocaste“ von Giovanni Andrea Moniglia. Die Musik stammte von Johann Hugo Wilderer, die bauliche Leitung lag bei Graf Matteo Alberti; der Hofmaler Bernardi gestaltete den Innenraum. In den rund zwanzig Jahren der Nutzung sind ebenso viele Operninszenierungen belegt. Damit erhielt die höfische Musikkultur einen festen Ort in der Stadt.

Nach Jan Wellems Tod 1716 wurde die Hofkapelle aufgelöst und das Opernhaus nicht mehr genutzt. 1738 erfolgte der Umbau zur Reitschule; 1758 wich das Gebäude einem Neubau. 2008 rekonstruierten das Theatermuseum der Stadt und die Fachhochschule Düsseldorf den Theaterbau und die barocke Aufführungspraxis in einem etwa 27-minütigen Animationsfilm. Die Uraufführung fand am 26. Oktober 2008 im Theatermuseum statt. Das Jahr brachte zudem ein ganzjähriges Kulturprogramm zum 350. Geburtstag Jan Wellems. Beim Festwochenende vom 29. bis 31. August gab es unter anderem einen Handwerkermarkt am Rathaus und Bühnen am Burg- und Marktplatz.

Das Reiterdenkmal auf dem Marktplatz

Das bekannteste sichtbare Zeichen der Hofzeit ist das Reiterdenkmal Jan Wellems vor dem Rathaus. Sein Hofbildhauer Gabriel de Grupello schuf die Bronzeplastik, die 1711 zu Lebzeiten des Kurfürsten aufgestellt wurde. Jan Wellem trägt eine Ritterrüstung und hält den Feldherrenstab; sein Pferd schreitet ruhig. Das Denkmal gehört zu den bedeutenden Reiterbildnissen des deutschsprachigen Raums. Der heutige Sockel stammt aus späterer Zeit: Der Kurfürst bezahlte das Standbild selbst, während der Sockel aus dem Stadtsalär finanziert wurde.

Das Rathaus und der Marktplatz bilden den unmittelbaren Bezugspunkt des Denkmals. In der Düsseldorfer Geschichte folgte Jan Wellems Residenzzeit auf die mittelalterliche Entwicklung seit der Stadterhebung von 1288. Auf einem Rundgang durch die Altstadt begegnen so mittelalterliche Stadtgründung, fürstliche Repräsentation und heutiges öffentliches Leben auf engem Raum. Marktplatz, Rathaus, Berger Kirche und Neanderkirche lassen sich dabei als Stationen verbinden, an denen politische, religiöse und künstlerische Entwicklungen der Stadtgeschichte anschaulich werden.